DER WILDE ISAAN

ISAAN
REISEROUTE ISAAN
Ich wusste nicht viel über den Isaan, bevor wir losgezogen sind, ausser, die meisten Barmädchen in Bangkok kommen daher, genauso wie der scharfe Somtum, ein Salat aus grüner Papaya, den es in der Hauptstadt an jeder Ecke gibt. That was it, das ist ein guter Grund auf Reisen zu gehen, unbekanntes Terrain erkunden. Der Plan: nach Udon Thani fliegen, im nahen Nong Khai eine Honda Phantom mieten, und los düesen gen Osten, immer den Mekong entlang. Die wenigen Touristen, die nicht direkt in Nong Khai nach Laos aufbrechen, fahren in die andere Richtung. Da wir ja immer das Moped wieder an der selben Stelle abgeben müssen, bietet sich ein Loop an, nennen wir ihn den ISAAN LOOP. 
 
Tag 1: Nach einer sehr netten Übernachtung im Mut Mee Guesthouse führt uns die angenehm leere Landstrasse über recht unspektakuläre 140km bis Buen Kan, den Mekong sieht man leider so gut wie nie und so richtig viel zu bestaunen am Wegesrand gibt es eigentlich auch nicht, mir dämmert langsam, warum alle in die entgegengesetzte Richtung fahren....aber  nur Geduld... Buen Kan entpuppt sich als total verpenntes, aber sehr freundliches Provinznest, keine Touristen weit und breit, und es ist, wie es immer ist, wo keine Farangs sind, da sind die Leute am nettesten, wir werden regelrecht verwundert bestaunt. 
 
Tag 2: Unser erstes Ziel an diesem heissen Tag ist das Bergkloster Phu Tok, spektakulär gelegen in the Middle of Nowhere auf einem Karstfelsen und nachdem ich mich tatsächlich alle 7 Level zur 'Erleuchtung' tapfer über unendlich schedderige Holztreppen hochgeschleppt habe, verlaufe ich mich auf dem Gipfel und finde fast nicht mehr runter..... Grössere Orte sind rar auf dieser Etappe, also auch die Übernachtungsmöglichkeiten, man könnte ja mla einen Homestay versuchen, gastfreundliche Thais bieten ein Bett und Verpflegung in ihrem Haus an. Wir entscheiden uns für Khun Bunleods Heim, direkt am Phu Wua Wildlife Reserve und werden nicht enttäuscht (mehr Details dazu, bald in der Rubrik 'Schlaf gut'). Mittlerweile sind wir tief im wilden Osten Thailands, trockene Reisfelder soweit das Auge reicht, wir zockeln auf schmalen Strässchen (mit Hilfe von Google Maps) durch winzige Dörfer, so muss Thailand noch vor 20 Jahren überall ausgesehen haben. Einzig die Pick-up Trucks in den meisten Garagen zeugen von bescheidenem Wohlstand, der erst jüngst in diesem Landstrich Einzug gehalten hat, bevorzugt durch den Anbau von Gummibäumen.
 
Tag 4: Die freundliche Kleinstadt Nahkon Phanom mit Blick auf laotische Zipfelberge entlässt uns am Morgen in Richtung That Phanom (diese Namen machen die Navigation nicht unbedingt einfacher...) die Strasse wird gesäumt von unendlich vielen Tempeln, bis man schliesslich an einem der wichtigsten Heiligtümer des Landes ankommt, und wieso oft, ist das, was im Reiseführer als unbedingt sehenswürdig beschrieben wird, naja, sagen wir ok. ,die wirklich interessanten Dinge finden drumherum statt. That Phanom erholt sich gerade von seinem 10 Tage andauernden berühmten Fest, der gigantisch grosse Jahrmarkt rund um den Tempel wird langsam (sehr langsam) abgebaut, und am Mekong entlang verkaufen Laoten Obst, Gemüse und....seltsame Medizin, bestehend aus getrockneten Echsen, Stachelschweinstacheln, leuchtenden Glasmurmeln und gekochten Hirschbeinen..ich möchte mir garnicht vorstellen, welchen Arztbesuch das ersetzen soll.
 
Tag 5: Ich mag einfach gerne diese unspektakulären thailändischen Provinzstädte, wie Sahkon Nahkon, die Menschen machen einen zufriedenen Eindruck, schiefe alte Holzhäuser, der grösste Binnensee Thailands und sehr scharfes schmackhaftes Essen (ohne englische Speisekarte...) tragen auch zu unserer Entspannung bei, unser Hotel ist sogar richtig gut! Heute steht eine seeehr lange Etappe auf dem Plan, vor der mir ein wenig graust, weil wir keine Lust auf Udon Thani haben, wollen wir quer durch die Pampa direkt nach Nong Khai fahren....Google Maps sagt es sind 165km, das sollte eigentlich kein Problem sein...nach 85km passieren wir ein Schild: Nong Khai 195km, Sch....unserer hervorragendes Satelitenbasiertes Telephon hat uns nicht die Stadt angezeigt, sondern den Namen der Provinz. Prost Mahlzeit! und es wird immer heisser. Die Strecke ist wirklich ein Traum, winkende Kinder, Reisfelder, riesige Bambusfischernetze und ungeteerte Schotterpisten mit Schlaglöchern. 
 
Tag 6: Wollen wir wirklich noch hinter Nong Khai eine Etappe gen Westen fahren? Wir wollen, auch wenn der Hintern wehtut. Ziel ist Sang Khom, mit einem Schlenker vorbei an zu Tieren geschnittenen Hecken, Tempeln soweit das Auge reicht, ich glaube wirklich die Mönche könne sich zuwinken, einem Abstecher zu einem komplett verlassenen Naturpark mit Kalkfelsen und 2500 jahre alten Zeichnungen, erreichen wir den Ort auf kurviger idyllscher Strasse am frühen Nachmittag und checken in einem traumhaft gelegenen Guesthouse ein (auch dazu mehr demnächst).
 
Tag 7: Das wars, bye bye Isaan! Fazit: man muss sich auf die Gegend einlassen, am Anfang war ich enttäuscht, weil alles so unspektakulär war, aber es lohnt sich durchzuhalten. Thailand ohne Touristen ist eine ganz neue Erfahrung, eine durchaus positive. Zwischendurch hat man das Gefühl man fährt durch Norddeutschland, Felder soweit das Auge reicht, wenig Menschen, plattes Land, breiter ruhiger Fluss, es ist bloss zur Zeit 40 grad heisser...aber mit etwas Muße schärft sich der Blick für die Details. Und, nicht zu vergessen, dieser Teil Thailands wird sich in den kommenden Jahren rasant verändern, die fünfte Brücke über den Mekong ist in Planung, Laos, Vietnam und damit auch die Chinesen scharren mit den Hufen die Gegend wirtschaftlich aufzurüsten. Wer also nochmal durch ein ungeschminktes, verschlafenes Thailand reisen möchte, sollte das bald tun.

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